| |
Gegen
Ende der 1960er-Jahre waren die Zeiten für die meisten
Weinbauern schwierig. 1966 und 1967 hatte es jeweils sehr
üppige Ernten gegeben, doch den Winzern wurde damals
schmerzlich bewusst, dass dies nicht automatisch einen
finanziellen Segen nach sich ziehen muss. Die Händler,
also die Käufer der Weintrauben, reagierten sehr
ökonomisch: Sie waren einfach nicht bereit,
einen zumindest kostendeckenden Preis für die Trauben
zu bezahlen.
Es gab schlichtweg ein zu großes Überangebot
und das wirkte sich nicht gerade positiv auf die Zahlungsmoral
der Abnehmer aus. |

Im
Bild: Das Presshaus 1968 |
Was
also tun? Guter Rat war teuer.
Man müsste, so argumentierte im Jahr 1968
der damalige Bürgermeister der Marktgemeinde Neckenmarkt,
Karl Heincz, eine Genossenschaft gründen. Damit, so war
er überzeugt, könnte man sicherlich mächtiger
werden
als Partner der großen Weintrauben-Händler, könnte
man das Trauben-Angebot gemeinsam steuern, könnte
man durch große Lagerpotenziale gewisse Mengen Wein
einfach dem Markt so lange vorenthalten, bis der Preis
wieder gestiegen war. Wieder und immer wieder rief er den
eher skeptischen Weinbauern jene Bilder aus den
Erntetagen der vergangenen Jahre in Erinnerung: 150.000 kg
bis 200.000 kg Weintrauben standen triefend
auf Anhängern bereit, und die Händler waren erst
zur Übernahme geneigt, als die traurigen und zornigen
Winzer einem Verkaufspreis in der Nähe der Bodenlosigkeit
zugestimmt hatten. Die drastischen Bilder
sollten ihr Ziel nicht verfehlen.
Im Mai 1968 wurde mit dem Bau eines Presshauses und
diverser Lageranlagen begonnen.
243 Mitglieder gründeten vor 40 Jahren eine Winzergenossenschaft
in Neckenmarkt, die seither von
kleineren Rückschlägen abgesehen eine beeindruckende
Karriere hingelegt hat. Die Jahre nach der Gründung
waren zunächst gekennzeichnet von Mitglieder-Wachstum.
Die Skepsis wich allmählich und immer mehr Weinbauern
wollten nun auch in die Genossenschaftsfamilie aufgenommen
werden: 1988 bestand sie bereits aus mehr
als 400 Winzern.
Natürlich ging es in den nächsten 20 Jahren nicht
in dieser Tonart weiter. Nebenerwerbs-Landwirte, die nur kleinflächige
Weingärten bewirtschafteten, hörten nach und nach
auf, die Weingärten wurden von anderen Winzern übernommen.
Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder schrumpfte deshalb
bis zum Jahr 2004 auf rund 280, die bewirtschaftete Gesamtfläche
erhöhte sich aber auf insgesamt 300 ha. Somit sei auch
ein wenig stolz vermeldet, dass etwa 60 % aller in Neckenmarkt
geernteten Trauben im Winzerkeller Neckenmarkt
verarbeitet werden. (Übrigens: Die Umbenennung erfolgte
im Jahr 1992.)
1968 betrug die Menge der übernommenen Trauben knapp
700.000 kg, heute sind es rund 2,5 Mio. kg jährlich.
Die hier produzierten knapp 2 Mio. Liter Wein machen rund
1% der gesamtösterreichischen Weinernte aus bzw. rund
5% aller in Österreich produzierten Rotweine. Und
diese 5% gehören zu den allerbesten

Der Winzerkeller Neckenmarkt heute
|