| |
von
Franz Heincz, Obmann
Dem Wort Genossenschaft haftet in den Augen manch
moderner Zeitgenossen zuweilen etwas Überholtes, Gestriges,
etwas Planwirtschaftliches an. Daher macht es Sinn, einige
persönliche Gedanken dazu anzumerken. Wenn nicht zu einem
Jubiläum, wann dann?

Als mein Vater im Jahr 1968 gemeinsam mit einer Hand voll
ebenfalls weitblickender Männer die Winzergenossenschaft
Neckenmarkt ins Leben gerufen hat, stand in erster Linie die
Idee im Vordergrund, künftig hin von Franz Heincz, Obmann
nicht mehr preisdrückenden Händlern ausgeliefert
zu sein. Dass dieser Plan aufging, zeigten die Folgejahre,
in denen der Mitgliederstand stetig zunahm.
Schon bald reifte aber auch die Erkenntnis, dass genossenschaftlich
produzierter Wein nicht per se hervorragend sein muss. Wer
bestes Traubenmaterial im eigenen Keller verwertete und nur
mindere Ware an die Genossenschaft ablieferte, trug nicht
gerade zur Qualitätssteigerung bei.

Seit gut 20 Jahren ist die Philosophie des
Hauses auf Qualität ausgerichtet. Über
die entsprechenden
Programme istbereits an anderer Stelle geschrieben worden
(siehe unter Neckenmarkt/Weingarten
und Vinifizierung).
Ist das Qualitätsstreben unter allen Mitgliedern anerkannt,
bietet eine Genossenschaft wie die unsere eine Reihe
von Vorteilen.
Wir bekommen erstklassiges Traubenmaterial von
immerhin 300 ha Rebfläche. Dies erlaubt die Produktion
von 2 Millionen Liter bester Weine.
Als Genossenschaft sind wir in der Lage, auch größere
Mengen bei gleich bleibender Qualität zu liefern. Nur
dadurch konnten wir uns beispielsweise zu anerkannten
Partnern des Fach- und Lebensmittelhandels entwickeln.
Eines darf man in einer Genossenschaft allerdings sicher nicht
zulassen: Dass man privatwirtschaftliches Gedankengut
unter den Teppich kehrt. Auch wenn es sich um keinen Privatbetrieb
an sich handelt, auch wenn keine Spitzengehälter an das
Management ausbezahlt werden man kann nur unter Berücksichtigung
der marktwirtschaftlichen Spielregeln erfolgreich
sein. Dazu gehört beispielsweise auch, dass die Zahl
der Mitglieder allmählich abnimmt. Gottlob nimmt nicht
die Weingartenfläche ab, ein Beweis, dass man als Weinbauer,
der sein gesamtes Traubenmaterial an die Genossenschaft liefert,
nicht draufzahlen muss.
Gerade in jüngster Zeit wurden immer öfter Fälle
aus der Privatwirtschaft bekannt, wo Manager Milliarden in
den Sand gesetzt haben und dann nach staatlicher Hilfe gerufen
wurde. In einem genossenschaftlich angelegten Unternehmen
arbeiten alle Funktionäre ehrenamtlich, für die
angestellten Mitarbeiter werden sicherlich keine überzogenen
Gehälter bezahlt, und wenn alles gut läuft, kommt
der Gewinn allen Mitgliedern zugute.

Wenn man Qualität in großer
Menge und noch dazu zu einem vernünftigen Preis
produzieren kann (wohlgemerkt: es geht um vernünftige
Preise, nicht um Schleuderpreise!), dann macht es auch Sinn,
in die Regale der Supermärkte zu drängen.
Hierbei herrscht erst recht der freie Markt mit all seinen
angenehmen wie unangenehmen Spielregeln.
Trotzdem konnten wir in den letzten Jahren eine florierende
Partnerschaft aufbauen, die von Anerkennung der Vorstellungen
beiderseits geprägt ist.
Wenn australische, südamerikanische oder spanische Weine
im Lebensmittelhandel auftauchen, dann deshalb, weil es dort
Strukturen gibt, die Qualität zu vernünftigen Preisen
anbieten können und darauf kommt es mindestens
genauso an in solchen Mengen liefern können, die
der Handel braucht. Der Winzerkeller Neckenmarkt spielt hier
mit und bisher ziemlich erfolgreich.
Natürlich bleiben wir auch unserem Stammpublikum
treu. Wir sind stolz auf die vielen Weinfreunde, die
Neckenmarkt, den Winzerkeller sowie seine führenden Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter persönlich kennen.
Wir freuen uns über jedes Glas Wein, das in der Gastronomie
ausgeschenkt wird und wir werden auch weiterhin via
Fachhandel und Vinotheken hoffentlich viele Freunde
des Neckenmarkter Weines erreichen.

Die Welt dreht sich weiter. Neue Länder
tauchen auf am wirtschaftlichen Horizont, Länder, die
bisher an der Schwelle zu modernen Industriestaaten standen
und nun diese Schwelle überschreiten. Dort wächst
auch eine ökonomisch erfolgreiche mittlere bis gehobene
Schicht heran, die wir als potenzielle Kunden nicht aus den
Augen verlieren sollten. Wir dürfen nicht warten, bis
der Ruf aus Russland oder Tschechien ertönt nach Weinen
aus dem Ausland. Denn möglicherweise waren Argentinier
oder Italiener dann schon dort. Deshalb haben wir Kontakte
in diese Länder geknüpft, erste Exporte sind bereits
getätigt. Und natürlich sind bisher kaum beworbene
Märkte ebenfalls interessant.

Vierzig Jahre hat die Winzergenossenschaft
bzw. der Winzerkeller Neckenmarkt recht erfolgreich hinter
sich gebracht. Die Chancen heute sind andere als 1968.
Die Welt ist nicht mehr in Ost und West geteilt und fast
schon zum globalen Dorf geworden. Das Modell Weinbaugenossenschaft
ist aber noch immer modern und gut genug, um wirtschaftlich
bestehen zu können.
Dazu braucht es wie immer schon ein wenig
Weitsicht, eine Prise Mut und Risikobereitschaft, verantwortungsvolles
und unternehmerisches Denken und das Mittragen der Ideen
durch eine überzeugte Mitgliedschaft.
Eine Genossenschaft ist aber auch nur so gut, so fleißig
und kompetent seine für sie arbeitenden Menschen
sind. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich
bei allen Mitgliedern, beim Vorstand und beim Aufsichtsrat,
bei unseren Geschäftspartnern sowie bei allen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern für ihren Einsatz herzlich zu bedanken.
Dem Winzerkeller Neckenmarkt und seinen Mitgliedern
wünsche ich alles Gute für die nächsten
Jahrzehnte.
 |

Im
Bild: Die Statue des hl. Donatus , liebevoll Schauerokehrer
genannt, soll Hagel (Schauer) von den Weingärten
abwenden (okehren). |
|